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Felix Hanisch

Mein Studium in Dortmund

Ich habe Chemietechnik mit dem Abschluss Diplom studiert. Warum Chemietechnik? Ich fand in der Schule Chemie und Naturwissenschaften immer ganz interessant, aber nur Chemie – das war´s irgendwie nicht, zu viel Labor, zu wenig konkret. Deshalb wollte ich Chemie und Technik machen, also Chemie in der Anwendung, irgendwie lebendiger, näher am Leben.

Chemietechnik als wirklich integrierten Studiengang gibt es gar nicht an so vielen Unis, Dortmund war eine davon, heute heißt das Chemieingenieurwesen. Ich hatte mir die Uni damals angesehen und mit den Unterlagen der anderen verglichen und fand, dass Dortmund echt gut abgeschnitten hat!

Außerdem kannte ich auch einen aus unserer Nachbarschaft, der dort studierte und ebenfalls begeistert war. Erst später habe ich gemerkt, dass das Studium in Dortmund sehr nah am „Chemical Engineering“-Studium in den USA und Großbritannien ist - ein erfolgreiches Absolventenprofil! Nach dem Studium habe ich am Lehrstuhl für Anlagensteuerungstechnik (heute Lehrstuhl für Systemdynamik und Prozessführung, Prof. Engell) promoviert.

Mein schönstes Erlebnis aus dieser Zeit

Das Studium war insgesamt einfach Klasse! Mit der Fachschaft gab es eine super Anlaufstelle, um Leute kennen zu lernen und mitzubekommen, was wichtig ist und was man auch schon mal schleifen lassen konnte. Die Klausur-Vorbereitungszeit war extrem „intensiv“, da musste man schon viel lernen. Aber da wir das fast immer in Teams gemacht haben, war auch die Zeit bestimmt von viel Gemeinsamkeit, abends noch zusammen kochen, Abstand vom Lernstress kriegen.

Das Highlight des Studiums war neben der Diplomarbeit in den USA (an der Lehigh University in Bethlehem, PA) mein Auslandspraktikum bei der Firma Steinmüller in Südafrika. Auf einer Großbaustelle für ein 600 MW-Steinkohlekraftwerk mitten in der südafrikanischen Pampa habe ich Verfahrenstechnik hautnah erlebt. Ich konnte durch jedes Gerät, das in der Vorlesung erklärt worden war, selbst hindurchkrabbeln. Und wenn man mal neben einem 16 MW-Lüfter steht, der riesige Elektromotor summend anläuft, sich scheinbar ein bisschen duckt, bevor er dann mit mächtigem Getöse losrennt, dann bekommt man schon Respekt vor den Leuten, die das vorher mal ausgerechnet und geplant haben!

Mein beruflicher Werdegang

Nach der Promotion habe ich bei Bayer in Leverkusen angefangen, wie viele andere auch und das noch keine Minute bereut. Angefangen habe ich in der prozessleittechnischen Planung, also in Projekten zur Automatisierung von Chemieanlagen, nach einem Jahr habe ich selbst mein erstes Projekt geleitet, bei dem ein alter Prozessrechner durch ein modernes Prozessleitsystem abgelöst wurde.

Nach einem Jahr als Bereichsingenieur Prozessleittechnik, in dem ich für die Mess- und Regeltechnik in vier Betrieben zuständig war, sowie einer Zeit in einer Stabsstelle bin ich für drei Jahre mit meiner Familie nach Baytown in der Nähe von Houston, Texas gegangen. Dort habe ich eine kleine Gruppe geleitet, die für alle Leitsysteme, für Prozessdatenerfassung und Regelungstechnik an dem Standort zuständig ist. Neben den „Herausforderungen“, die man im Ausland privat zu bewältigen hat, war das auch fachlich und interkulturell hochinteressant. Klar, es sind die gleichen Anlagen, aber es sind doch andere Menschen! Amerikaner im Allgemeinen und Texaner noch einmal besonders... Spannend in so einem Umfeld zu arbeiten!

Seit meiner Rückkehr im Herbst 2007 leite ich im Bereich Prozessleittechnik bei Bayer Material Science die Gruppe „Plant Optimization“ und bin weltweit zuständig für die Erfassung und Auswertung von Prozessdaten und die verfahrenstechnische Optimierung unserer Anlagen und Prozesse. Weltweit heißt in dem Falle ca. 40 Produktionsstandorte von Amerika bis Asien.

Meine Botschaft an (zukünftige) Studierende:

Seht euch die Uni und die Fakultät an!

Das Studium ist nicht leicht, aber interessant und man lernt so vieles, was uns täglich umgibt, von Grund auf verstehen und weiß auf einmal, wie das alles in großen Dimensionen „im echten Leben“ gemacht wird: ob Strom, ob Kunststoffe, ob Lebensmittel, Pharmazeutika oder besondere Werkstoffe. Für Studierende jetzt ist noch die gesamte biologische Verfahrenstechnik dabei, die zu meiner Zeit erst in den Anfängen war!

Ganz wichtig: Früh Kontakt zu anderen Studierenden suchen, sonst schafft man’s nicht! Ehemalige anmailen und mindestens ein Auslandspraktikum oder eine Studien-/Diplomarbeit im Ausland organisieren! Das ist nie wieder im Leben so einfach!